Patter Calling Systeme
Kein
System ist
vollkommen. Jedes System hat seine Vor» und Nachteile.
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Die Kombination von Square Dance Figuren verlangt eine systematische Vorgehensweise, die es Ihnen erleichtert, Ihre Choreographie zu variieren, sich den Möglichkeiten der Tänzer anzupassen und das Programm interessant und nicht monoton zu gestalten. Bevor Sie mit dem patter calling beginnen, haben Sie sich bestimmt gefragt, nach welcher Methode Sie vorgehen sollen, ob es verschiedene Systeme gibt und ob nur eines davon zu erlernen genügt, das über allen Systemen herausragt. Da kein System "Pfötchen gibt", ist die Antwort auf diese grundsätzliche Frage einfach: Sie müssen die Grundzüge und Regeln jedes Systems kennen. Die
hier beschriebenen Systeme sind die am meisten angewandten
Vorgehensweisen. Das häufigste, aber nicht das leichteste,
ist das sight
calling System, das in einem Extrateil (sight
calling leicht gemacht) Schritt für Schritt mit den wachsenden
Lektionen miteinander verflochten und ausführlicher als hier, mit
Beispielen, beschrieben wird. Einige Systeme sind auch so
kompliziert, dass Sie als Amateur damit überfordert wären. Sie sind
den Profis vorbehalten.
Cue
Card System = frei
übersetzt: Spickzettelsystem Dies
ist wohl die einfachste Art, mit der Sie auch beginnen werden: Sie
schreiben sich die calls einer
kompletten Sequenz auf und lesen Sie danach vom Blatt wieder ab. Sie können
als Hilfsmittel alle Folgen einer Kombination aufzeichnen, was sehr
zeitaufwendig ist, oder Sie basteln sich ‘Hilfstänzer’, die Sie als
Vorlage auf dem Tisch hin und herschieben (Siehe Teil Hilfsmittel Anfangs
werden Sie die calls sicher Wort für Wort aufschreiben. Später, wenn Sie später
das timing
sicher beherrschen, werden Sie nur die Figuren mit ihrem Kürzel oder
Symbol notieren. Die Zwischenreime des patter
smatter und zusätzlichen Anweisungen der directional
calls fügen Sie dann aus den Stegreif hinzu. Da Sie
bestimmt nicht alles behalten können, werden Sie mit Sicherheit, auch
nach Beherrschung anderer, schwierigerer Systeme, gelegentlich diese
Methode anwenden. Selbst die besten Profi-Caller greifen gelegentlich zu
dem Hilfsmittel eines Spickzettels. Öffentliche Redner und Politiker
tun das, um das Konzept nicht zu verlieren, also warum nicht Sie auch?
Es sollte allerdings nicht überhand nehmen oder als einziges System
angewandt werden. Vorteile: Der Phantasie sind
hier keine Grenzen gesetzt. Unzählige Kombinationen und Variationen können
so an den Tänzer gebracht werden, ohne dass man sich dabei nur einmal
wiederholt. Wenn Sie dies vorher richtig ausarbeiten, können Sie damit
permanent die Tänzer überraschen und begeistern. Das Wesentliche
dieser Methode ist, dass der exakte Figurenablauf und die darin
enthaltenen Kombinationen unabhängig von der Fähigkeit der Tänzer
ist. Das heißt, dass Sie
sich nicht auf die Tänzer verlassen müssen, ihre Anweisungen richtig
und fehlerlos zu geben. Viele Variationen, welche in der Figur oder in
Kombinationen stecken, geraten nicht in Vergessenheit und sind bei
Bedarf umgehend wieder abrufbar. Besonders schwierige und detaillierte
Kombinationen kann man nur zu geringem Teil auswendig lernen und über längere
Zeit im Kopf behalten. Hier erarbeiten Sie sich ein bleibendes
Repertoire und Nachschlagewerk. Nachteile: Es kostet viel Zeit
und es steckt viel Arbeit dahinter. Der Fehlerteufel beim ‘schieben’
der Hilfstänzer ist groß und die passende Körperbewegung (siehe: body
flow) wird dabei oft nicht beachtet. Auch beim Ablesen überspringt
man leicht eine Figur oder Zeile, was nicht mehr reparabel ist. Es zeugt
zwar von Fleiß und intensivem Studium, aber es sieht einfach nicht gut
aus, wenn man einen Spickzettel vor Augen hält und das Mikrofon
dazwischen. Dies wirkt zu den Tänzern wie eine Barriere und ist unpersönlich.
Der Blickkontakt zum Tänzer ist eingeschränkt oder im Extremfall gar
nicht vorhanden. So kann es vorkommen, dass man gar nicht merkt, wenn
einzelne oder gar alle Squares ‘zusammengebrochen’ sind. Die Tänzer
stehen wartend herum und erst Gekicher, Husten, Stille oder andere
Anzeichen wecken den Caller aus der Konzentration des Ablesens. Auch
die Fähigkeit zu einem guten timing
leidet darunter. Wenn man das Tanzgeschehen nicht beobachtet, kann
es sein, dass die calls
entweder zu früh oder zu spät angesagt werden. Die Tänzer kommen dann
entweder nicht mehr nach, beginnen zu laufen oder es entsteht das von
ihnen so gehasste stop and go. Ein
weiterer Nachteil ist, dass Sie, wenn Sie nur diese Methode wählen, nur
auf Ihre Ausarbeitungen zurückgreifen können und auf die Wünsche oder
Fähigkeiten der Tänzer nicht eingehen können. Ein schnelles Umdenken
oder Wechseln des ausgedachten Programms ist dann nicht möglich. Sie
müssen auch beachten, dass die Tänzer nicht jeden Abend gleich ‘gut drauf’
sind. Vollmond, Wetterfühligkeit, und andere Einflüsse beeinträchtigen
deren Konzentration und Sie müssen darauf reagieren, um den gewünschten Erfolg zu sichern.
Wenn Sie die o.a. beschriebenen Nachteile des Ablesens vermeiden wollen, aber auf ein gewisses Maß an Notizen nicht verzichten können, hier einige Tipps, das Benutzen eines Spickzettels zu kaschieren: Schreiben Sie Ihre Ausarbeitungen groß und in Druckbuchstaben gut leserlich auf Kärtchen oder Zettel, so dass Sie das Geschriebene auch noch in einiger Entfernung lesen können. Platzieren Sie diese nebeneinander, um das Blättern zu vermeiden, in lesbarer Sichtweite vor sich. Beschweren oder befestigen Sie die Zettel, so dass sie nicht durch einen Luftzug vom Tisch gefegt werden können. Während Sie die Tänzer im Auge behalten, sind Sie so in der Lage, gleichzeitig auf Ihre Notizen zu schielen. Wenn Sie ein ‘schlechtes Gedächtnis’ haben, werden Sie auch die vielen singing calls in deren Sequenzen, Wortlaut und Refrains nicht auswendig behalten. Auch hier sind Sie gezwungen, gelegentlich die mitgelieferten cue sheets (Textvorlage) als Gedächtnisstütze sichtbar zu platzieren, um im Notfall ein Auge darauf werfen zu können.
Memory
Calling = auswendig, aus dem Gedächtnis Dies
ist eigentlich kein weiteres System im Vergleich zum
o.a. cue card system.
Sie lesen nur nichts ab, sondern lernen die Sequenz
auswendig. Die Vorbereitung ist gleich, wenn nicht mehr, da Sie das
Geschriebene noch zusätzlich auswendig lernen müssen. Der Vorteil aber
ist, dass man die Tänzer im Blickfeld hat und auch auf korrektes
timing achten kann.
Gelegentlich kann man eine auswendig gelernte, interessante Sequenz
als Abwechslung zu anderen Systemen oder gewohnter Routine einstreuen.
Wiederholungen sind zu vermeiden, bevor es der Tänzer merkt und bevor
es langweilig wird. Auch als Alternative, wenn die Tänzer nicht das
tun, was man beabsichtigt, kann man aus seiner Erinnerung heraus
auswendig gelernte, komplette und bewährte Choreographien anbieten und
so die Situation retten. Leider hat man bei diesem System auch die
Tendenz, sich zu wiederholen. Vorsicht: auch der Tänzer hat ein Gedächtnis! Memory
calling wird
definiert, wenn der Caller eine Sequenz von Beginn bis zur Auflösung
aus dem Gedächtnis ansagt. Wer kann sich aber schon alles merken? Das
menschliche Gehirn vergisst leider auch sehr schnell. Besonders bei
Square Dancing sind die Kombinationen sehr ähnlich, so dass man einige
Passagen auch verwechseln kann. Wenn man sich dies als Datei vorher
aufschreibt und danach wieder einprägt, kann das Spickzettelsystem
kurzfristig durch memory calling
ersetzt werden. Auch Ideen, besondere Situationen oder erfolgreich
erprobte und spezielle Choreographien sollte man aufschreiben und bei
Bedarf wieder abrufen und sich einprägen.
Module
Calling = Bausteine »
/ Baukastensystem Dieses System wurde aus dem memory / cue card system entwickelt. Viele Choreographien sind zu lang. So reiht man hier Bausteine von kurzen Sequenzen aneinander, die untereinander austauschbar sind. So kann der Caller jederzeit, wenn er zu seinen gesetzten Kontrollpunkten zurückkehrt, den Tanz abbrechen oder fortsetzen; ganz wie es ihm beliebt und sich der Situation anpassen. Dieses flexible System erlaubt auch jederzeit eine Änderung in der Programmgestaltung, wenn sie erforderlich ist. Deren Bausteine gibt es unzählige und können auch selbst entwickelt werden. Vorteil: Man ist vom Tänzer unabhängig und wer viele Module beherrscht, hat ungezählte Variationsmöglichkeiten. Nachteil: auch hier muss viel auswendig gelernt, rechtzeitig abgerufen und richtig angewendet werden.
Veraltete Bezeichnungen waren: Box 1-4 = boy No. 1 with partner is facing girl No. 4 für zero boxes 1P2P line = boy No.1 with partner, boy No.2 with partner für zero lines Die Nummerierung ist aber zweitranging. Es kommt nur auf die richtige Reihenfolge an, eine ZL oder einer ZB zu definieren.
Man
unterscheidet fünf verschiedene Typen von Modulen.
Chicken
Plucker
System (Eigenname) Dieses
Prinzip basiert ebenfalls auf Modulen wie oben beschrieben, begrenzt auf
zwei Arten von Ausgangsformationen: der zero
box und der across the street
box (über der ‘Straße’ = Mitte). Nachdem z.B. die
Ausgangsformation ZB mit heads square thru (oder
setup
equivalent) erreicht wurde, kann man mit der ‘chicken plucker’ Kombination: right
and left thru - dive thru - pass thru die heads
auf die andere Seite (der Straße) dirigieren. Hier könnte (und
sollte) man als Zwischenspiel zeros
einfügen, bevor man die heads
wieder mit der ‘chicken
plucker’ Sequenz: right and left thru - dive thru -
pass thru zurück zur zero
box bringt. Haben
Sie dabei gemerkt, dass dabei die sides
immer auf ihrer Seite geblieben sind und nur die heads
die Seiten gewechselt haben? Diesen Ablauf kann man beliebig oft
wiederholen, sollte dabei aber immer mit zeros
in den Zwischenstationen für
mehr Abwechslung sorgen. Auch zwischen den beiden ‘chicken
plucker’ Teilen können für die centers
zeros eingebaut werden. Ein equivalent für
einen o.a. beschriebenen chicken plucker Teil wäre z.B: square
thru 3 - trade by, und ist natürlich ebenfalls für diesen
Sprachgebrauch gültig. Die Auflösung in allemande
left geschieht immer in der zero
box.
Sight
Calling = nach ‘Sicht’ ansagen Dies
ist wohl das am meisten genutzte und am weitesten verbreitete System,
und es gibt viele Untergruppierungen davon. Generell haben aber alle
Varianten eines gemeinsam: Der Caller dirigiert die Tänzer durch
Zusehen, während sie tanzen, von einer Formation und Anordnung in die
andere. WAS er mit den Tänzern
in dieser improvisierten Choreographie veranstaltet und WIE
er sie wieder in richtiger Reihenfolge zusammenbringt und schließlich
auflöst, ist mannigfaltig. Wem die Grundprinzipien vertraut sind, kann
und soll sogar eigene Wege finden, welche ihm am besten liegen. Voraussetzung:
Wer calling nach ‘Sicht’
anwenden will, muss die Definition jeder gewählten Figur analysieren
und auch die Variationen beherrschen. Er muss ein gründliches Verständnis
für deren Bewegungsablauf haben und die Wirkung auf die Tänzer
beachten. Er muss wissen, wann und in welcher Formation die Figur
eingesetzt werden kann, was sie bewirkt und welche Auswirkung sie auf
den weiteren Tanzverlauf hat. Vor jedem Tanzabschnitt (= Square Dance Tip) selektiert man einen sogenannten key square oder pilot square. Das ist normalerweise der Square mit den ‘besseren’ und bekannten Tänzern. Er wird als Hilfsmittel beim Beobachten während des Tanzablaufs und für das Auflösen des Squares gewählt. Innerhalb dieses Squares wählt man zwei Paare als key couples, welche nebeneinander stehen müssen. Ein Paar davon wählt man als primär, das andere als sekundär. Die zwei anderen Paare sind spiegelverkehrt und brauchen daher nicht gemerkt zu werden. Ob Sie das primär gewählte Paar links oder rechts vom sekundären Paar platzieren wollen, hängt von Ihrer Wahl ab. Bleiben Sie aber vorerst bei nur einer der zwei Möglichkeiten, um damit zu trainieren. Eine detaillierte Anleitung finden Sie unter dem Thema 'Sight calling leicht gemacht'. Vorteil: Etwas Erfahrung und
Training vorausgesetzt, kann man aus dem Stegreif heraus Choreographien
passend für die anwesenden Tänzer oder unterschiedlichen Niveaus
zusammenstellen. Man hat die Tänzer immer im Blickfeld, kann nach
Belieben das Tempo drosseln oder forcieren, ist jederzeit in der Lage,
auf Stimmungsschwankungen
und jede andere Situation zu
reagieren und kann doch jederzeit mit wenigen Figuren den Tanzabschnitt
beenden. Die Vorbereitungszeit dafür ist je nach Fleiß verschieden und
kann mit vorhandenem Erfahrungsschatz sehr gering sein. Nachteil: Man ist total vom Können
der Tänzer abhängig. Wenn die ‘ausgeguckten’ Tänzer patzen, ist
auch der Caller aufgeschmissen. Man muss sich für jeden Tanzabschnitt
neue Paarungen merken und darf deren Anordnung nicht verwechseln.
Erfahrene Caller merken sich daher mehrere key
squares oder key
couples.
Mental
Image
Calling = aus der gedanklichen
Vorstellung Der
große Nachteil von sight calling ist, total vom gewählten key square abhängig zu sein. Man muss auf die Tänzer vertrauen
und darauf hoffen, dass sie fehlerlos tanzen. Das Ausweichen auf
mehrere key squares limitiert
zwar das Risiko, aber auch das kann schief gehen. So versucht ein Mental
Image Caller das gleiche zu tun, was ein Sight Caller tut: Er verfolgt seinen key square, aber nicht nach ‘Sicht’, sondern ‘im Kopf’! Es
gibt tatsächlich welche, die das können! Dieses Computergehirn hat
aber nicht jeder und so wurden einige Tricks entwickelt, welche das
gedankliche Verfolgen mehrerer Tänzer auf zwei oder nur einen
reduziert. Trotzdem ist es ein langwieriger Lernprozess, dies zu
meistern und fordert auch gründliche Vorkenntnis der Bewegungsabläufe
aller Figuren und Praxis in sight calling und anderer Systeme. Nicht zu vergessen, dass dabei
auch noch Choreographie, timing,
body flow und Präsentation der Show beachtet werden muss. So ist
dieses System eigentlich nur für viel beschäftigte, nahezu
hauptberuflich tätige
Caller geeignet. Ein
Mental Image Caller, sofern er
nur einen Tänzer verfolgt, dirigiert diesen in Gedanken zu einer
vorbestimmten Position, von wo er den Square auflösen kann. Als
Hilfsmittel kann er, je nach erreichter Perfektion, seine Finger dazu
benutzen, wenn eine crossed Situation (=
out of sequence) entsteht. Er muss also bei jeder angesagten Figur
wissen, ob sie eine crossed
Situation bewirkt. Dazu kreuzt und entkreuzt er zwei Finger, nach
entsprechenden calls. Das besagt aber noch immer nicht, ob auch der/die dazugehörige
Partner(in) jetzt dort steht, wo er/sie hin soll! Es ist sehr
kompliziert, aber wer dies lernen will, kann im Fachhandel entsprechende
Anleitungen erwerben: ‘Out of Sight’ von Don Beck.
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